Wissenschaftler fanden heraus, dass ein Teil der Kinder mit AD(H)S-Sympto-matik offene Kanäle hat. Es ist ein kontrovers diskutiertes Thema und die Er-gebnisse der Untersuchungen passen nicht immer zu dem Bild, das man sich von AD(H)S macht.  Deshalb sind die offenen Kanäle als Ursache für die Symptomatik nicht allgemein akzeptiert. Aber was sind das eigentlich für Kanäle und was  bewirken  sie?                                                                    Diese Kanäle befinden sich in der Zellmembran, welche die Nervenzelle gegen ihre Umgebung abgrenzt und die bei den meisten Menschen sind sie im Ruhezustand geschlossen.  Sind diese Kanäle offen, kann die Zelle diesen Ruhezustand nicht erreichen.

An Sinneszellen führen diese nicht komplett verschließbaren Kanäle dazu, dass Reize mit geringer Intensität bereits wahrgenommen werden. Das hat Konsequenzen:
    1. Es werden mehr Reize wahrgenommen von Personen, deren Kanäle offener sind. Die Reizverarbeitung verbraucht mehr Ressourcen, die Energiespeicher für die Arbeitsleistung des Gehirns werden schneller entleert. Müdigkeit und Unaufmerksamkeit sind die Folge.
     2. Die größere Zahl wahrgenommener Reize erschwert die Fokussierung auf bestimmte Reize und ist teilweise verbunden mit einer Stresssymptomatik. Diese Menschen können die Aufmerksamkeit auf eine Sache oft nicht lange halten, weil sie von einer Vielzahl unterschiedlicher Reize überflutet werden. 
    3. Es werden Reize wahrgenommen, die für die meisten Menschen nicht wahrnehmbar sind. Im positiven Fall wird der Geruch und Geschmack eines Sommeliers bewundert, in anderen Fällen werden Menschen, die elektromagnetische Felder wahrnehmen können, als Spinner belächelt oder Personen, die Stimmen hören, für verrückt erklärt.

Das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan. Wir nehmen 90% aller Sinneseindrücke darüber auf. Um unser Überleben in freier Natur zu sichern, ist der Fluchtreflex des Menschen sehr eng gekoppelt an seine Seheindrücke. Wenn wir etwas Gefährliches sehen, rennen wir ohne große Verzögerung weg. Diese Kopplung von Sehen und Bewegung funktioniert auch, wenn wir sehr viele Seheindrücke haben, wie bei Menschen, deren offene Kanäle in den Sinneszellen des Auges sind.  Die ständige Reizung über das Auge bewirkt die ständige Anregung von Bewegungsimpulsen im Gehirn. Diese Menschen können ihren Bewegungsdrang nicht stoppen. Zumindest nicht so ohne Weiteres.

Die Reizung unserer Geschmackszellen auf der Zunge kann auch zu einer Bewegung führen, dann nämlich, wenn uns schlechter Geschmack auf die potentielle Giftigkeit dessen aufmerksam macht, was wir gerade im Mund haben. Wir spucken es aus oder müssen uns übergeben. Stellen sie sich bitte Menschen vor mit offenen Kanälen in den Geschmackszellen der Zunge, die Essen mit Geschmacksverstärkern zu sich nehmen. Es muss nicht einmal ein schlechter Geschmack sein, die Verstärkung des Geschmackseindrucks allein reicht bereits aus, um das Gehirn mit Sinneseindrücken zu überfluten. Auch diese Personen werden unruhig und unkonzentriert, besonders nach dem Essen. Und chemische Geschmacksverstärker sind heute in nahezu allen Fertiggerichten und Würzmischungen enthalten.

Anders verhält es sich mit Reizen, die unser Ohr erreichen. Sind sie sehr intensiv, stehen wir da "wie vom Donner gerührt", unfähig uns zu bewegen. Unser Herz schlägt unregelmäßig, wir atmen schnell und flach, unsere Haut wird kalt und blass. Die Organe, welche Energie in irgend einer Form herstellen, arbeiten auf Hochtouren. Liegen die offenen Kanäle in den Sinneszellen des Ohres, sind Geräusche hörbar, die den meisten anderen verborgen bleiben.  Während diese Menschen den Geräuschen lauschen, scheinen sie abwesend zu sein und zu träumen. Sie bewegen sich nicht viel und sie schließen oft die Augen, um die Sinneseindrücke über die Augen zu reduzieren. Fast unsichtbar im Außen wird die Aktivität einer Vielzahl innerer Organe erhöht.

Gerüche führen wie Geräusche eher zu éiner Bewegungslosigkeit und zur Steigerung der Organaktivität. Für Menschen mit offenen Kanälen in den Sinneszellen der Nase stellt die Zunahme der verschiedensten Gerüche (ob Wohlgeruch oder Gestank) eine besondere Herausforderung dar.

Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan. Es ist unsere äußere Abgrenzung des Körpers gegen die Umwelt und hat eine Vielzahl von Rezeptoren für physikalische (Temperatureinflüsse, Berührungen, Elektromagnetismus u.a.m.) und chemische Reize (chemische Inhaltstoffe in Pflegeprodukten oder Reinigungsmitteln, Rückstände in Kleidungsstücken oder künstlich hergestellte Bekleidungsstoffe, Schmutzteilchen in der Luft) sowie Schmerz- und andere Rezeptoren. Die Reizung der Rezeptoren der Außenhaut führt zu speziellen Bewegungsmustern (Wegziehen der Hand von der heißen Herdplatte, Reiben oder Kratzen der zu stark gereizten Hautpartie). Diese Bewegungsmuster verstärken sich bei offenen Kanälen in den Sinneszellen der Außenhaut. Die Haut kleidet auch all unsere inneren Organe und Gefäße aus und umhüllt funktionell zusammengehörende Muskelgruppen und periphere Nerven. Hier liegen viele unterschiedliche Rezeptoren, die den Zustand des Organs in verschiedenen Dimensionen messen und an das Gehirn weitergeben. Dieses koordiniert die Organaktivitäten entsprechend der Erfordernisse. Menschen mit offenen Kanälen in den Sinneszellen der inneren Haut nehmen ihren Körper extrem gut wahr und reagieren bereits auf kleinste Veränderungen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass offene Kanäle alle Zellen betreffen können. An Sinneszellen mit offenen Kanälen lösen Reizungen entweder Bewegungen (Auge, Zunge, äußere Haut) oder Organaktivitäten (Ohr, Nase, innere Haut) aus. Offene Kanäle in den Sinneszellen zu haben, bedeutet erst einmal, feinsinnig zu sein in des Wortes ursprünglicher Bedeutung. Die Wahrnehmung dieser Menschen ist ausgeprägter. Hier bekommen die Begriffe "hellsichtig", "hellhörig" und "hellfühlig" oder "feinfühlig" eine Bedeutung jenseits der Esotherik. Weil die Seheindrücke mit dem Fluchtreflex gekoppelt sind, führen die offenen Kanäle in den Sinneszellen des Auges besonders schnell zu motorischer Unruhe und Hyperaktivität. Mir ist nicht bekannt, ob Allergiker bereits auf offene Kanäle in ihren Sinneszellen der Haut untersucht wurden, ob das technisch möglich ist. Aber ich bin sicher, bei einem Teil der Allergiker, wird man sie finden.  Wenn man zugrunde legt, dass die Offenheit der Kanäle nicht bei jedem gleich stark ausgeprägt ist, muss man auch Autisten in diese Betrachtung einbeziehen. Ihre Wahrnehmung ist zum Teil so fein, dass es ihnen nicht immer möglich ist, am "normalen" Leben teilzunehmen. Ein Teil von Ihnen hat Probleme mit der Licht- und Farbwahrnehmung, andere vertragen Geräusche schlecht und wieder andere ertragen keine Berührungen oder große Menschenansammlungen. Und das ist abhängig von der Tagesform. Ist die Aufzählung AD(H)S, Asperger-Syndrom, Autismus in Wahrheit eine Abstufung der Wahrnehmung auf der Grundlage der offenen Kanäle an Sinneszellen? Ist Feinsinnigkeit eine Krankheit?

Für mich sind zwei Dinge entscheidend:

1. Menschen  mit offenen Kanälen brauche Hilfe dabei, zu lernen, die Stärke ihre Wahrnehmung ihren Bedürfnissen anzupassen, sie aktiv zu regulieren.

2. Die Abhängigkeit von der Tagesform weist den Weg dahin. In einer guten Tagesform zu sein, bedeutet, in seiner inneren Mitte, in Harmonie zu sein. Wege dorthin habe ich unter den Aspekten Selbsthilfepotential und Einflussmöglichkeiten dargestellt.